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Swissmem Quartalsbericht: Trübe Aussichten ab dem 2. Quartal 2020 MEM-Industrie bereits vor Corona unter Druck

| Redakteur: lic.rer.publ. Susanne Reinshagen

Die Schweizer MEM-Industrie verzeichnete im ersten Quartal 2020 rückläufige Branchenzahlen. Aufgrund der Corona-Pandemie verschärft sich die Lage ab dem 2. Quartal 2020. Alle Frühindikatoren weisen auf einen massiven Umsatzrückgang hin.

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Die Aussichten für die MEM-Industrie sind nicht gut. Alle Frühindikatoren weisen auf einen massivenUmsatzrückgang ab dem zweiten Quartal 2020 hin.
Die Aussichten für die MEM-Industrie sind nicht gut. Alle Frühindikatoren weisen auf einen massivenUmsatzrückgang ab dem zweiten Quartal 2020 hin.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Schweizer MEM-Industrie fand keinen dynamischen Start ins neue Jahr. Im ersten Quartal 2020 gingen die Auftragseingänge gegenüber der Vorjahresperiode um -2,0 Prozent, die Umsätze um -5,7 Prozent und die Exporte um -8,4 Prozent zurück. Damit setze sich zu Beginn dieses Jahres der negative Trend fort, der schon Mitte 2018 eingesetzt habe, schreibt Swissmem in seiner Medienmitteilung. Die Ursachen liegen in der schwachen Konjunktur in den MEM-Märkten sowie der weiteren Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro. Entsprechend tief ist die Kapazitätsauslastung in den Betrieben. Sie erreichte gemäss KOF (Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich) im ersten Quartal 83,6 Prozent, womit sie unter dem langjährigen Mittelwert von 86,4 Prozent lag. Im April fiel die Kapazitätsauslastung auf 80,9 Prozent – eine erste Konsequenz des Lockdowns.

Export unter Druck

Die Güterausfuhren der MEM-Industrie reduzierten sich im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahresquartal um hohe -8,4 Prozent und erreichten einen Wert von 15,8 Milliarden Franken. Dieser Exportrückgang ist primär die Folge der stark sinkenden Auftragseingänge im Vorjahr. Es sind darin auch erste Konsequenzen der Pandemie als Folge des Lockdowns in den Absatzmärkten erkennbar. Besonders ausgeprägt sind die Exportrückgänge in die EU (-10,4%). Aber auch nach Asien (-7,0%) und in die USA (-6,0%) waren sie rückläufig. Die negative Exportentwicklung betraf sämtliche Warengruppen. Im Maschinenbau betrug der Exportrückgang -12,1 Prozent, bei den Metallen -8,8 Prozent, im Bereich Elektrotechnik / Elektronik -4,3 Prozent und bei den Präzisionsinstrumenten -4,5 Prozent.

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Düstere Aussichten für die kommenden Monate

Die Geschäftszahlen der MEM-Industrie des ersten Quartals 2020 zeigen das Bild vor dem Lockdown. Dessen Konsequenzen werden die Industrie erst im zweiten und dritten Quartal 2020 voll treffen, so Swissmem. Die aktuellen Werte des Einkaufsmanagerindex (PMI) deuten in den wichtigsten Absatzmärkten auf einen sehr starken Einbruch hin. So wies der PMI der Eurozone im Februar 2020 einen Wert von 49,2 auf und stürzte im April auf 33,4 ab (Werte unter 50 indizieren einen Rückgang). Auch die Ergebnisse der jüngsten Swissmem-Umfrage unter den Mitgliedfirmen weisen deutlich auf eine negative Entwicklung hin:

  • Die Erwartungen der MEM-Firmen für die kommenden zwölf Monate haben sich massiv verschlechtert. 70 Prozent gehen von einem Rückgang der Auftragseingänge aus dem Ausland aus. Ende 2019 waren es nur 28 Prozent gewesen.
  • Fast die Hälfte der MEM-Firmen (48%) erleiden durch die Pandemie Stornierungen von Aufträgen. Diese Umsätze werden in den kommenden Monaten wegfallen.
  • Stornierungen und wegbrechende Aufträge hatten zur Folge, dass 80 Prozent der MEM-Unternehmen gezwungen waren, Kurzarbeit zu beantragen.

Hans Hess, Präsident Swissmem, ist sehr besorgt: «Die Situation in den MEM-Firmen hat sich im April deutlich verschlechtert. Alle Frühindikatoren weisen auf einen massiven Umsatzrückgang ab dem zweiten Quartal 2020 hin. Ab wann es wieder aufwärts geht, ist im Moment völlig offen.»

Reisebeschränkungen behindern die Industrie stark

Der Verkauf von Industriegüter ist oft ein aufwändiger Prozess. Verkaufs- und Projektmeetings, Demonstrationen und Probeläufe sind unerlässlich. Dasselbe gilt für die Abnahme der Güter ab Werk, die Installation im Zielbetrieb sowie für Reparatur- und Servicearbeiten. Für diese Tätigkeiten müssen die entsprechenden Spezialisten und auch die Kunden reisen können. Die aktuellen Reisebeschränkungen gehören für 67 Prozent der MEM-Firmen zu den drei wichtigsten Problemen des Lockdowns. Sie erschweren es extrem, neue Aufträge zu gewinnen, laufende abzuschiessen und diese zu verrechnen.

Wichtig sei, dass der Bund per 11. Mai 2020 für EU/EFTA-Länder die Reisebestimmungen gelockert hat. Gleiches müsse rasch auch für Drittstaaten erfolgen, fordert Swissmem.

Auch die Politik ist gefordert

Um die negativen Auswirkungen der Corona-Epidemie in der Schweizer MEM-Industrie zu dämpfen, brauche es Verbesserungen der Rahmenbedingungen, schreibt Swissmem und weist dabei auf die am 12. Mai 2020 stttfindende Sitzung der Finanzkommission des Ständerates hin, an der über die Aufhebung der Industriezölle beraten wird. Der Wegfall der Industriezölle würde allein für die MEM-Industrie eine jährliche Kostenersparnis von rund 125 Millionen Franken sowie erhebliche administrative Erleichterungen bringen. Hans Hess betont: «Die Aufhebung der Industriezölle wäre eine echte Verbesserung und ein starkes Zeichen der Unterstützung für die Industrie in der Schweiz».

Darüber hinaus stehen für Swissmem zurzeit folgende, kurzfristig wirkende Forderungen im Vordergrund:

  • Die Frist für die Einreichung von Gesuchen für Überbrückungskredite müsse bis Ende 2020 verlängern werden. Weil Liquiditätsengpässe in vielen MEM-Firmen erst im zweiten und dritten Quartal aktuell werde.
  • Die Bezugsdauer für Kurzarbeitsentschädigung müsse von 12 auf 18 Monate erhöht werden.
  • Der Forschungsbetrieb an den Hochschulen muss wieder aufgenommen werden. Die Zusammenarbeit von Unternehmen mit den Hochschulen und Forschungsinstitutionen sei für die Innovations- und damit mittel- und langfristig für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz essenziell.

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