Blech in jeder Variante – und auf den Tag genau Moderne Organisationsstruktur bringt Termintreue

Redakteur: Luca Meister

Hersteller komplexer technischer Systeme müssen meist enge Liefertermine einhalten. Wenn sie Teile der Wertschöpfung ausgelagert haben, setzt die Einhaltung ihrer eigenen Terminverpflichtungen eine pünktliche Versorgung durch ihre Zulieferer voraus. Für Blechbearbeiter, die eine variantenreiche Fertigung mit meist kleinen Serienlosgrössen zu bewältigen haben, ist das nicht einfach. Dank konsequenter Neuausrichtung der Fertigungsorganisation konnte ein deutscher Blechverarbeiter seine Lieferperformance deutlich verbessern.

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Auch aufwendige Vorrichtungen, hier für die Durchführung von automatisierten Laserschweissungen, gehören zum Gesamtumfang eines Auftrags.
Auch aufwendige Vorrichtungen, hier für die Durchführung von automatisierten Laserschweissungen, gehören zum Gesamtumfang eines Auftrags.
(Bild: Klaus Vollrath)

«Von uns als typischem Blechverarbeitungsbetrieb erwarten die Kunden ein extrem breites Spektrum an Leistungen», weiss Dipl.-Ing (FH) Thomas Kaysser, Geschäftsführender Gesellschafter der H.P. Kaysser GmbH & Co. KG in D-Leutenbach. Das Unternehmen fertigt Blechteile vom einfachen Biegeteil bis zu kompletten Gehäusen für Werkzeugmaschinen. Dabei erhält der Kunde alles, was er braucht, aus einer Hand: Dies umfasst jede gewünschte Zusatzleistung bis hin zur Komplettmontage und Bestückung ganzer Baugruppen und Aggregate oder auch die Beratung durch eine schlagkräftige Engineeringabteilung.

Typisch sind überwiegend kleine bis mittlere Serienlosgrössen sowie eine kaum noch überschaubare Vielfalt an Artikeln. Pro Jahr sind es 10 000 bis 20 000 unterschiedliche Produkte. Die Kunden kommen aus Bereichen wie Maschinenbau, Anlagenbau, LKW-Bau, chemische Industrie, Pharmazie oder Luft- und Raumfahrt. Diese Abnehmer stellen hohe Anforderungen an die Qualität und ebenso an die Fähigkeit zur Einhaltung vereinbarter Liefertermine.

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Die Handicaps

«Zu unseren Handicaps zählt zunächst die enorme Bandbreite unterschiedlichster Werkstoffe und Technologien, die bei uns zum Einsatz kommen», erläutert Achim Hinterkopf, Geschäftsführer der H.P. Kaysser. Schon die schiere Zahl der Legierungen sowie der Abmessungen der Halbzeuge wie Bleche, Rohre und Profile sei kaum überschaubar. Hinzukomme die sehr grosse Zahl unterschiedlichster Anlagen und Verfahren. Auch für Montageaufgaben benötige man eine sehr grosse Zahl an Zukaufteilen. Insgesamt schätze er, dass die Zahl solcher Teile in einer Grössenordnung von mehreren 100 000 liege. Diese Bestände müsse man bei der Planung berücksichtigen. Für die Ermittlung eines möglichen Liefertermins seien alle diese Faktoren ebenso wie die aktuelle Auslastung und Verfügbarkeit von Mitarbeitern und Maschinen ins Kalkül zu ziehen.

Auf den Tag genau fertigen

«Angesichts dieser Rahmenbedingungen kann man sich vorstellen, was für eine Mammutaufgabe es war, unsere bisher bei etwa 75 Prozent angesiedelte Lieferperformance zu verbessern», verrät A. Hinterkopf. Trotz aller Leistungsbereitschaft der Belegschaft und einer ausgereiften Softwareausstattung habe man früher Terminüberschreitungen nicht immer vermeiden können.

Innerhalb von zwei Jahren habe man jetzt den Durchbruch geschafft. Hierfür wurde die gesamte bisherige Fertigungsorganisation konsequent umgestellt. Eine wichtige Rolle spielte dabei das im Unternehmen eingesetzte Fertigungsplanungsprogramm (ERP) der Firma Infor GmbH. Heute sei man so weit, dass der gesamte Fertigungsprozess im Prinzip schon am Tag der Bestellungsannahme transparent im System angelegt und komplett durchgeplant sei. Dem Kunden könne man somit einen verbindlichen Liefertermin zusagen. Zugleich könne man ihn frühzeitig ansprechen, falls der geplante Termin nicht zu halten sei.

Angepasste Organisation

«Voraussetzung für den Erfolg war eine tiefgreifende Neustrukturierung wesentlicher Abläufe im Unternehmen», ergänzt T. Kaysser. Heute läuft die Ressourcenverwaltung ausschliesslich im Verantwortungsbereich der Fertigungsorganisation. Den Meistern fällt in diesem Zusammenhang die Aufgabe zu, die Prozesse in ihrem Bereich auf Stimmigkeit mit den Regelvorgaben abzuprüfen und Abweichungen sofort zu melden. In diesem Zusammenhang veränderten sich auch ihre eigenen Aufgabenbereiche: Die Zuständigkeit für Terminänderungen und entsprechende Umplanungen in den Abläufen liegt jetzt ausschliesslich bei der Abteilung Fertigungssteuerung, denn das neue Konzept kann nur funktionieren, wenn alles, was in der Produktion passiert, für die EDV jederzeit transparent ist.

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