Der japanische Automatisierungsspezialist Fanuc integriert lebenslangen Service, Reparatur und Recycling von Anfang an in sein Geschäftsmodell. Die Strategie beginnt bei der CO2-Neutralität, reicht über die Abfallvermeidung und das Recycling und endet bei der langfristigen Nutzung von Produktionsmitteln.
Daniel Evard, Service Manager bei Fanuc Schweiz: «Wir stellen fest, dass unsere Kunden ihre Produktionslinien immer häufiger nachrüsten, anstatt sie neu zu bauen. Es ist keine Seltenheit, dass unsere Servicetechniker an Fanuc Produkten arbeiten, die älter sind als sie selbst.»
(Bild: Fanuc)
Das Unternehmen entwickle seine Produkte so, dass sie langlebig und einfach zu warten seien. Darüber hinaus betreibt Fanuc ein weltweites Servicenetz mit Reparaturzentren und Ersatzteillagern. Was für die Anwender lange Zeit als «guter Kundenservice» selbstverständlich gewesen sei, entwickelt sich für Fanuc zu einem unerwarteten Wettbewerbsvorteil.
Nachrüsten statt neu bauen
«Wir stellen fest, dass unsere Kunden ihre Produktionslinien immer häufiger nachrüsten, anstatt sie neu zu bauen», berichtet Daniel Evard, Service Manager bei Fanuc Schweiz. Die präventive Wartung und die Nachrüstung alter Produkte nehme demnach zu. «Es ist keine Seltenheit, dass unsere Servicetechniker an Fanuc-Produkten arbeiten, die älter sind als sie selbst», fügt er hinzu.
Ein solches Vorgehen zahle sich für die Kunden oft aus, nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit, sondern auch finanziell, wie Evard erklärt: «Wenn eine 20 Jahre alte Maschine, die in einer etablierten Produktionslinie reibungslos gelaufen ist, plötzlich stillsteht, lohnt sich eine Reparatur in der Regel auch bei sehr alten Produkten wie diesem.»
Um einen kurzfristigen Reparaturservice anbieten zu können, sind laut Evard eine geringe Störanfälligkeit, leicht zu reparierende Produkte, eine hohe Verfügbarkeit von Ersatzteilen und ein leistungsfähiges Servicenetz notwendig. Auch der Aufbau von Datenbanken mit Bauplänen alter Modellreihen, Informationen über mögliche Fehlerquellen und Reparaturanleitungen sei entscheidend.
Qualität senkt die Fehlerquote
Um mögliche Produktschwachstellen auszuschliessen, seien strenge Qualitätskontrollen wichtig, die bis zur Einrichtung eines eigenen Testzentrums gehen können.
Das Testzentrum am Hauptsitz von Fanuc in Japan simuliert zum Beispiel raue Fabrikumgebungen. Die Produkte müssen Staub, Dampf oder Wasserbäder überstehen, selbst Kabel und Schläuche werden extremen Belastungstests unterzogen. Die Entwicklungsabteilung von Fanuc nutzt die Ergebnisse für kontinuierliche Verbesserungen im Rahmen eines Kaizen-Ansatzes.
Leicht zu reparierende Produkte seien mit einem gut durchdachten Design zu erreichen, wie Mitsuyuki Taniguchi, Executive Vice President von Fanuc Europe, bestätigt: «Wir entwickeln unsere Produkte von Anfang an so, dass sie leicht zu reparieren sind.»
Hohe Ersatzteilverfügbarkeit
Bereits während der Produktion einer neuen Modellreihe müsse ermittelt werden, wie viele und welche Ersatzteile in Zukunft benötigt werden, um die Kundenwünsche oder sogar ein «Recht auf Reparatur» zu gewährleisten. Diese Teile gelte es zu beschaffen und über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, zu lagern, was eine organisatorische und finanzielle Herausforderung darstellen kann. Fanuc lagert allein in seinem europäischen Ersatzteillager rund 600 000 Teile im Wert von mehreren Millionen Euro.
Um diese Teile effizient und so lange wie möglich zu nutzen, führt Fanuc regelmässig Recycling-Aktivitäten durch. «Wir ersetzen alle verschlissenen Teile, reinigen und lackieren die Oberflächen und führen Software-Updates durch, um die Teile in einen neuwertigen Zustand zu versetzen», berichtet Burkhard Molitor, Leiter des Reparaturzentrums.
Recycling und langfristige Lagerplanung zeigen Wirkung: «Wir haben 99,96 Prozent aller Ersatzteile, die unsere Servicetechniker europaweit benötigen, auf Lager», berichtet Molitor. «Und wenn uns doch einmal ein Teil fehlt, können wir es in der Regel innerhalb weniger Tage von anderen Fanuc-Standorten liefern lassen.» Selbst 40 Jahre alte Betriebssoftware können Kunden noch von Fanuc beziehen. (neu)
Stand vom 30.10.2020
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