Lebensmittel- und Getränkeindustrie Mechanischer Überlastschutz für indirekte Antriebe

Von Enemac 4 min Lesedauer

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In der Lebensmittelindustrie müssen Antriebssysteme hohe Verfügbarkeit mit hygienischen Anforderungen verbinden. Besonders indirekte Antriebe mit Ketten und Zahnriemen sind bei Blockaden erheblichen Drehmomentspitzen ausgesetzt. Mechanische Sicherheitskupplungen können eine zusätzliche Schutzebene schaffen.

Antriebssysteme in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie müssen hohe Verfügbarkeit mit hygienischen Anforderungen verbinden.(Bild:  Enemac)
Antriebssysteme in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie müssen hohe Verfügbarkeit mit hygienischen Anforderungen verbinden.
(Bild: Enemac)

Förderanlagen, Verpackungsmaschinen und Abfüllsysteme arbeiten heute mit hohen Taktraten und kurzen Zykluszeiten. Gleichzeitig werden die mechanischen Komponenten häufig auf möglichst kompakte Abmessungen und geringe bewegte Massen optimiert. Bei einem störungsfreien Produktionsablauf sind die Belastungen gut kalkulierbar. Kritisch wird es, wenn sich ein Produkt verklemmt, ein Förderabschnitt blockiert oder ein Fremdkörper in den Prozess gelangt. In solchen Situationen kann das Drehmoment innerhalb kürzester Zeit deutlich ansteigen. Bei indirekten Antrieben mit Ketten oder Zahnriemen wirken die daraus resultierenden Kräfte unmittelbar auf Kettenräder, Zahnscheiben, Wellen und Lager. Je nach Aufbau werden die Lastspitzen zusätzlich über Getriebe und Kupplungen bis zum Motor übertragen. Ein einzelnes Blockierereignis kann dadurch Schäden an mehreren Komponenten verursachen und einen ungeplanten Produktionsstillstand auslösen. Für den Maschinenkonstrukteur stellt sich deshalb eine zentrale Frage: Wie lässt sich der Antriebsstrang so schützen, dass eine Überlast möglichst unmittelbar erkannt und begrenzt wird?

Elektrische Überwachung und mechanische Absicherung

In vielen Maschinen übernimmt die elektrische Antriebsregelung bereits wichtige Schutzfunktionen. Über Motorstrom, Drehzahl oder Drehmomentmodelle können ungewöhnliche Betriebszustände erkannt und ein Stopp eingeleitet werden. Diese Überwachung ist für die Maschinensteuerung unverzichtbar, ersetzt jedoch nicht in jedem Fall eine mechanische Absicherung. Der Grund liegt in der Position der Überwachung. Der Motorstrom liefert Informationen über den Zustand des Motors und des Antriebs, während die kritische mechanische Überlast möglicherweise erst an einer weiter entfernten Stelle im Kraftfluss entsteht. Hinzu kommen Reaktionszeiten der Steuerung und der Antriebsregelung. Bei schnell auftretenden Drehmomentspitzen kann es daher sinnvoll sein, eine zusätzliche Schutzfunktion direkt in den mechanischen Kraftfluss zu integrieren. Eine mechanische Sicherheitskupplung arbeitet genau an dieser Stelle. Wird das definierte Ausrückmoment überschritten, unterbricht sie die Drehmomentübertragung unmittelbar. Der Schutz erfolgt damit unabhängig von Software, Steuerung und Stromversorgung. Die elektrische Maschinensteuerung kann den Ausrückvorgang gleichzeitig erfassen und einen kontrollierten Anlagenstopp auslösen.

Das Ergebnis ist ein mehrstufiges Schutzkonzept: Die mechanische Sicherheitskupplung begrenzt die Überlast im Kraftfluss, während die elektrische Steuerung die Störung erkennt, signalisiert und den weiteren Maschinenablauf koordiniert.

Schutz gezielt dort, wo die Belastung entsteht

Bei indirekten Antrieben ist nicht nur das Ausrückmoment, sondern auch die Position der Sicherheitskupplung entscheidend. Wird der Drehmomentbegrenzer direkt am angetriebenen Kettenrad oder an der Zahnscheibe angeordnet, lässt sich insbesondere der nachgeschaltete Teil des Antriebsstrangs schützen. Diese Anordnung ist beispielsweise bei Förder- und Transportsystemen relevant. Blockiert ein Produkt den Transportweg, steigt das Drehmoment am Abtrieb unmittelbar an. Eine passend ausgelegte Sicherheitskupplung kann den Kraftfluss trennen, bevor Kette, Zahnriemen, Welle oder Lager über ihre zulässige Belastungsgrenze hinaus beansprucht werden. Für die Auslegung ist das zulässige Drehmoment der schwächsten Komponente massgebend. Das Ausrückmoment der Sicherheitskupplung wird entsprechend angepasst. Damit wird die Kupplung zur definierten mechanischen Schutzstelle im Antriebssystem.

Hygienische Anforderungen als konstruktive Herausforderung

In der Lebensmittel- und Getränkeindustrie müssen Antriebskomponenten zusätzlich zu den mechanischen Belastungen häufige Reinigungs- und Desinfektionsprozesse verkraften. Wasser, Feuchtigkeit und Reinigungsmedien können bei ungeeigneten Werkstoffen oder Oberflächen langfristig Korrosion verursachen. Gleichzeitig sind konstruktive Lösungen gefragt, die sich in hygienisch sensible Maschinenbereiche integrieren lassen. Die Edelstahlsicherheitskupplungen der neuen Baureihen «ECV» und «ECW» von Enemac wurden speziell für indirekte Antriebe mit Ketten und Zahnriemen entwickelt. Die vollständig aus Edelstahl gefertigte Konstruktion ist für anspruchsvolle Produktionsumgebungen ausgelegt. Auf Beschichtungen wird bewusst verzichtet. Die unbeschichtete Edelstahltellerfeder reduziert das Risiko von Korrosion und Beschichtungsablösungen sowie damit verbundener Partikelbildung. Die kompakte Bauweise erleichtert die Integration in Maschinen mit begrenztem Bauraum. Gleichzeitig sind die Kupplungen für hohe laterale Belastungen ausgelegt, wie sie bei Ketten und Zahnriementrieben auftreten. Die integrierte Lagerung ermöglicht eine direkte Integration in den Antriebsstrang.

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Technische Daten für die Auslegung

Edelstahlsicherheitskupplung «ECV» mit Passfedernut.(Bild:  Enemac)
Edelstahlsicherheitskupplung «ECV» mit Passfedernut.
(Bild: Enemac)

Edelstahlsicherheitskupplung ECW mit Klemmringnabe.(Bild:  Enemac)
Edelstahlsicherheitskupplung ECW mit Klemmringnabe.
(Bild: Enemac)

Die «ECV» und «ECW» decken einen Drehmomentbereich von 5 bis 900 Nm ab und sind für Drehzahlen bis 4000 min–1 ausgelegt. Die laterale Belastbarkeit beträgt bis zu 30 000 N. Während die «ECV» über eine Passfedernut mit der Welle verbunden wird, verfügt die «ECW» über eine Klemmringnabe. Nach einer Überlast kann die Kraftübertragung automatisch wiederhergestellt werden. Die 360°-Synchronrastung ermöglicht eine präzise Wiederaufnahme des Antriebs und unterstützt damit die schnelle Wiederinbetriebnahme der Maschine.

Mechanische Sicherheit als Teil der Gesamtstrategie

Die Anforderungen an moderne Lebensmittel- und Verpackungsmaschinen lassen sich nicht mit einer einzelnen Schutzmassnahme erfüllen. Elektrische Überwachung, Steuerung und mechanische Absicherung müssen vielmehr zusammenspielen.

Während die elektrische Überwachung Betriebszustände erfasst und die Maschinensteuerung koordiniert, begrenzt eine mechanische Sicherheitskupplung die tatsächlich übertragene Kraft unmittelbar im Antriebsstrang. Besonders bei indirekten Antrieben mit Ketten und Zahnriemen kann diese zusätzliche Schutzebene entscheidend sein, um kostenintensive Schäden zu vermeiden. Mit den Baureihen «ECV» und «ECW» bietet Enemac hierfür speziell auf die Anforderungen hygienisch sensibler Produktionsumgebungen abgestimmte Edelstahlsicherheitskupplungen. Sie verbinden mechanisch präzisen Überlastschutz mit Edelstahlkonstruktion, kompakter Bauweise und hoher Belastbarkeit. Für Konstrukteure ergibt sich damit eine Möglichkeit, die Betriebssicherheit indirekter Antriebe gezielt zu erhöhen und gleichzeitig die Anforderungen an Hygiene, Korrosionsbeständigkeit und Anlagenverfügbarkeit zu berücksichtigen.

(ari)

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