Ersatzteilmanagement

Automatisierte Ersatz- und Verschleißteillogistik

| Redakteur: Bernd Maienschein

Zogen nach der Testphase positive Bilanz (v.l.): Armin Oswald (Bedrunka + Hirth), Sönke Schlüter (Lehmann), Marcel Dichtler (Oskar Frech) sowie Dieter Grannemann (Goldin).
Zogen nach der Testphase positive Bilanz (v.l.): Armin Oswald (Bedrunka + Hirth), Sönke Schlüter (Lehmann), Marcel Dichtler (Oskar Frech) sowie Dieter Grannemann (Goldin). (Bild: Bedrunka+Hirth)

Vollautomatisch, effizient und modular kommt das Werkzeugausgabesystem Tool Server Modular (TSM) von Bedrunka+Hirth für die reibungslose, komfortable Bereitstellung, Organisation und Kontrolle von Werkzeugen und Kleinteilen daher – selbst in rauer Fertigungsumgebung. In einer Gießerei hat das unkomplizierte System überzeugt.

Nicht weniger als 13 Druckgießmaschinen des schwäbischen Maschinenbauunternehmens Oskar Frech sind im westfälischen Minden bei Goldin Druckguss, einem Teil der Unternehmensgruppe Lehmann, im Einsatz. Goldin ist Spezialist für die Fertigung von Zinkdruckguss- und Spritzgussteilen für die Produktion von Zylinder- und Schließsystemen. Um eine bestandsgeführte Verwaltung für Verschleißteile und ausfallkritische Ersatzteile zu realisieren, wird dort seit Dezember 2017 der Tool Server Modular (TSM) von Bedrunka+Hirth eingesetzt. Das computergesteuerte Ausgabesystem mit elektromechanisch verriegelten Schubladen, individualisierter Zugriffskontrolle und moderner Schnittstellentechnologie soll die Teile- und damit die Maschinenverfügbarkeit bei gleichzeitig deutlich reduzierten Betriebskosten für die Instandhaltung gewährleisten. Die beteiligten Unternehmen zogen jetzt nach einer Testphase Bilanz.

Konsequent auf Industrie 4.0 getrimmt

Der TSM von Bedrunka+Hirth wurde konsequent auf die Anforderungen der Industrie 4.0 getrimmt. Wie Geschäftsführer Ludwig Kellner hervorhebt, gehört die Kommunikationsfähigkeit zu den besonderen Merkmalen des Systems. So verfügt der TSM über diverse Schnittstellen, etwa zu ERP-System, Warenwirtschaft und SQL-Datenbank. Es gibt eine variable Lieferantenanbindung sowie eine individuell gestaltbare Zugriffskontrolle, die sich wahlweise mit normalen Zylinderschlössern oder E-Schloss, PIN-Code oder RFID-Lesegeräten ausstatten, aber auch in ein Zeiterfassungssystem integrieren lässt.

Das System sorgte bei den Kunden von Oskar Frech „auf Anhieb für Begeisterung“, so Projektverantwortlicher Marcel Dichtler. Das Maschinenbauunternehmen feilt kontinuierlich an seinem weltweiten After-Sales-Service, um Kunden, wie es heißt, eine maximale Maschinenverfügbarkeit und Anlagenproduktivität zu sichern. Am After-Sales-Day, einem Tag der offenen Tür, stellt Oskar Frech regelmäßig Kunden unterschiedliche Bereiche des Services sowie Neuerungen vor. Dazu gehörte im vergangenen Jahr im Servicecenter Velbert auch der TSM von Betriebseinrichter Bedrunka+Hirth.

Armin Oswald, Produktmanager TSM im technischen Vertrieb des Unternehmens, der eng mit den Partnern bei Oskar Frech zusammenarbeitet und für die Präsentation an diesem Tag ebenfalls vor Ort war, sieht erhebliches, bislang unerkanntes Potenzial im Maschinenbau. Die Automatisierung der Ersatz- und Verschleißteillogistik bei Goldin gilt als Pilotprojekt. Zu den speziellen Anforderungen gehört, dass der Automat möglichst robust und für die raue Gießereiumgebung geeignet, frei konfigurierbar und jederzeit zu erweitern ist. Das modulare Bedrunka+Hirth-System passt in dieses Anforderungsprofil – wie auch die hohe Tragkraft der Schubladen (300 kg), die Möglichkeit der Mitverwaltung größerer Teile in einem manuellen Lager oder das Farbkonzept unterstreichen, mit dem sich das Ausgabesystem optisch an das Corporate Design des Kunden anpassen lässt.

Bedienerfreundlichkeit gegen anfängliche Skepsis

Mag es in der Instandhaltung bei Lehmann nach Marcel Dichtlers Eindruck zunächst einige Skepsis gegenüber dem „elektronischen Kollegen“ gegeben haben, der künftig neben Bevorratung und Ausgabe auch gleich die Bedarfsmeldung der Maschinenteile übernehmen sollte, so verflüchtigte sich dies schnell mit der Erkenntnis, welche Potenziale der TSM bietet. Der Automat weiß genau, wem er Gießkolben oder Heizpatrone auf welche Kostenstelle und zu welchem Reparaturauftrag ausgehändigt hat. „Das System schafft Ordnung im Lager und bei den Entnahmen, sorgt zuverlässig für die ständige Verfügbarkeit von Ersatzteilen, ohne dass sich jemand darum kümmern muss“, stellt Dieter Grannemann, Leiter der Instandhaltung, zufrieden fest. In den Auswertungen über verbrauchte Ersatzteile stecke zudem enormes Optimierungspotenzial für die Instandhaltung, sagt er.

Grannemann und seine Kollegen trugen mit eigenen Ideen und Anregungen dazu bei, dass das System perfekt in den Mindener Gießereialltag integriert werden konnte. Wie Marcel Dichtler sagt, war für die schnelle Akzeptanz des TSM vor allem seine Bedienerfreundlichkeit ausschlaggebend. Gesteuert wird das System über den 17-Zoll-Touchscreen-Monitor und eine Software mit Windows-Oberfläche. „Die einfache Menüführung ist fast selbsterklärend“, bestätigt Dieter Grannemann. Das System meldet sich, wenn etwa Pflichtfelder nicht ausgefüllt sind. Zum besseren Verständnis und zur visuellen Auflockerung wurden von Oskar Frech auch Zeichnungen und Schaltpläne hinterlegt, die genau zeigen, wo welches Teil in der Maschine sitzt, wie es getauscht und angeschlossen werden soll.

Kosteneffizienz in der Instandhaltung

Doch nicht nur die Instandhaltung profitiert vom neuen TSM-Ausgabesystem – „auch die positiven betriebswirtschaftlichen Effekte überzeugen“, sagt Sönke Schlüter, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Lehmann. Der Einkauf werde entlastet, weil die Bedarfsmeldungen für Ersatz- und Verschleißteile direkt an Oskar Frech zur Bearbeitung gesendet werden. Die exakte Planung und Kontrolle des Systems, wöchentliche Sammelsendungen und monatliche Rechnungen sorgen für Transparenz, Effizienz und reduzieren Kosten. Erhebungen bei Hersteller Bedrunka+Hirth belegen, dass die Verbrauchskosten bei automatisierter Warenausgabe durchschnittlich um 20 bis 30 % reduziert werden können.

Sönke Schlüter lobt zudem die „sehr gute Projektabwicklung und Einführung des Systems durch Oskar Frech und Bedrunka+Hirth“, den partnerschaftlichen Umgang und die Offenheit für Ideen und Anregungen. Marcel Dichtler bilanziert die erfolgreiche Implementierung des Systems mit zwei Worten: „Einfach unkompliziert.“

Weitere Beiträge des Unternehmens:

Bedrunka+Hirth

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